
Eine Tür ist Dir geöffnet.
Du hast Dich aufgemacht. Wohin gehst Du?
Du gehst uns voraus, einen für uns noch verborgenen Weg. Wohin?
Dein Lebensweg ist zu Ende. Über verschiedenste Wege hat er Dich geführt. Vielleicht durftest Du aber auch spüren, dass einer diesen Weg mit Dir ging - ER, der Ich-bin-da.
Da für uns Menschen, mit uns Menschen, in den Menschen, die diese Wege mitgehen.
Wohin gehst Du?
Du kannst diesen Weg nur ohne uns weitergehen. Du hast unsere Hand los gelassen. Doch eine andere Hand empfängt Dich...
Aus:
Hinübergehen. Eine Tür ist Dir geöffnet.
Eine Broschüre der kaholischen Landjugendbewegung Deutschlands

Beim Aufgang der Sonne
und bei ihrem Untergang
erinnern wir uns an sie;
beim Wehen des Windes
und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an sie;
beim Öffnen der Knospen
und in der Wärme des Sommers
erinnern wir uns an sie;
beim Rauschen der Blätter
und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wir uns an sie;
zu Beginn des Jahres und wenn es zu Ende geht
erinnern wir uns an sie;
wenn wir müde sind
und Kraft brauchen
erinnern wir uns an sie;
wenn wir verloren sind
und krank in unserem Herzen
erinnern wir uns an sie;
wenn wir Freude erleben,
die wir so gern teilen würden,
erinnern wir uns an sie;
solange wir leben,
werden auch sie leben,
denn sie sind nun ein Teil von uns,
wenn wir uns an sie erinnern.
Aus den Toren des Gebets Reformiertes JÜdisches Gebetsbuch

Berlins traurigstes Grabmal
Die Inschrift auf diesem Grabmal lautet:
"Vier liebe Kinder des königlichen Bauraths Friedrich Hoffmann und seiner Ehegattin Bertha geb. Fluegel - Opfer des Scharlachs - deckt dieses Grab:
Agathe *27. Mai 1848 + 16. Feb 1855
Eda *14. Aug 1849 + 14. Feb 1855
Fritz +17. Mai 1851 + 15. März 1855
Hans *15. Mai 1855 + 24. Feb 1855"
Das wohl in der Folgezeit kinderlos gebliebene Ehepaar hat seine Kinder um fast 50 Jahre überlebt...
Der Dorotheenstädtische-Friedrichswerdersche Friedhof in Berlin-Mitte, angelegt 1763 und bis 1826 mehrfach erweitert, ist herausragender kunsthistorischer und kultureller Bedeutung. Er ist letzte Ruhestätte zahlreicher Künstler, Schauspieler und Musiker.

"Er war ein guter Mensch, ein Seelenmensch, ER WAR MEIN FREUND"
Zitat von König Friedrich II. auf dem Grabmalseines Generals Hans Karl von Wintersfeldt (1707-1757). Auf der Rückseite befindet sich ein weiteres Zitat von Friedrich II.: "Gegen die Menge meiner Feinde hoffe ich noch Rettungsmittel zu finden, aber einen WINTERFELDT finde ich nicht wieder!"
Der Invalidenfriedhof in Berlin ist Zeugnis preußischer und deutscher Militär- und Zeitgeschichte. 1746 ließ Friedrich II. von Preußen ein Invalidenhaus für "lahme Kriegsleut" einrichtem, in dem sie sich durch eine eigene Landwirtschaft selbst versorgen konnten. Auf einer eigenen Grabstätte wurden seit 1748 zunächst nur die Insassen, später auch andere hohe Militärs begraben.

Des Krieges Buchstaben
Kummer, der das Mark verzehret,
Raub, der Hab und Gut verheeret,
Jammer, der den Sinn verkehret,
Elend, das den Leib beschweret,
Grausamkeit, die Unrecht lehret,
Sind die Frucht, die Krieg gewähret.
Friedrich von Logau (1604-1655)

ein selger Tod ist in der Welt,
als wer vom Feind erschlagen
Auf grüner Heid auf freiem Feld,
darf nicht hörn groß Wehklagen.
Ausschnitt aus: Des Knaben Wunderhorn, herausgegeben von Achim von Arnim und Clemens Brentano,
erschienen 1806-1808

Und so lang Du das nicht hast
Dieses: Stirb und werde
Bist Du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Letzte Worte
Geliebte, wenn mein Geist geschieden,
so weint mir keine Träne nach;
Denn, wo ich weile, dort ist Frieden,
Dort leuchtet mir ein ewiger Tag!
Wo aller Erdengram verschwunden,
Soll Euer Bild mir nicht vergehn,
Und Linderung für Eure Wunden,
Für Euren Schmerz will ich erflehen.
Weht nächtlich seine Seraphsflügel
Der Friede übers Weltenreich,
so denkt nicht mehr an meinen Hügel,
Denn von den Sternen grüß ich Euch!
Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)

Wenn endlich, Herr, mich meine Sünden kränken:
So lass dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken;
Dein Kreuz, dies sei, wenn ich den Tod einst leide,
Mir Fried und Freude!
Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769), aus: Abendlied

s gibt ein Land der Lebenden
und ein Land der Toten
und die Brücke ist die Liebe...
Das einzige Überleben.
Der einzige Sinn.
Thornton Wilder

Would You know my name
If I saw you in heaven?
Would it be the same
If I saw you in heaven?
I must be strong
And carry on
cause I know I don´t belong
here in heaven.
Eric Clapton

Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden.,
denn sie richten viel Schaden an, was bisweilen ignoriert wird,
sie können nämlich Milch, Butter und alles aus einem Haus stehlen...
Sie können ein Kind verzaubern... auch können sie geheimnisvolle
Krankheiten im menschlichen Knie erzeugen,
dass der Körper verzehrt wird... Schaden fügen sie nämlich an Körpern
und Seelen zu, sie verabreichen Tränke und Beschwörungen,
um Hass hervorzurufen, Liebe, Unwetter, alle Verwüstungen im Haus ,
auf dem Acker, über eine Entfernung von einer Meile und mehr
machen sie mit ihren Zauberpfeilen Hinkende, dass niemand heilen kann...
Die Zauberinnen sollen getötet werden, weil sie Diebe sind, Ehebrecher,
Räuber, Mörder... Sie schaden mannigfaltig.
Also sollen sie getötet werden, nicht allein weil sie schaden,
sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben.
Martin Luther (1483-1546) in seiner Predigt vom 5. Mai 1526

Der Schläfer im Tal
Ein grüner Winkel, den ein Bach befeuchtet
Der toll das Gras mit Silberflecken säumt
Wohin vom stolzen Berg die Sonne leuchtet -
Ein kleiner Wasserfall von Strahlen schäumt.
Ein Kriegsmann jung barhaupt mit offnem Munde
Den Nacken badend in dem blauen Kraut
Schläft unter freiem Himmel, bleich, am Grunde
Gestreckt, im grünen Bett von Licht betaut.
Ein Strauch deckt seine Füße. Wie ein Kind
Lächelnd das krank ist hält er seinen Schlummer
Natur umhüll ihn warm! es friert ihn noch.
Ihm zuckt die Nase vom duftigen Wind.
Er schläft im Sonnenschein, die Hand auf stummer
Brust - auf der rechten ist ein rotes Loch.
Arthur Rimbaud (1854-1891) schrieb dieses Gedicht im Oktober 1870 im Alter von gerade 16 Jahren

Du bist ein Schatten am Tage
und in der Nacht ein Licht
du lebst in meiner Klage
und stirbst im Herzen nicht.
Wo ich mein Zelt aufschlage,
da wohnst Du bei mir dicht;
du bist mein Schatten am Tage
und in der Nacht mein Licht.
Wo ich auch nach Dir frage,
find´ ich von Dir Bericht,
du lebst in meiner Klage
und stirbst im Herzen nicht.
Du bist ein Schatten am Tage
und in der Nacht ein Licht
du lebst in meiner Klage
und stirbst im Herzen nicht.

Einzig die Liebe wacht.
Ruft dich überall.
Hör die Nachtigall,
Hör meiner Stimme Schall,
Liebchen, o komm in die stille Nacht...
Robert Schumann

Sie sagen, sie schenken dir das Leben.
Sie müssten sagen, sie schenken dir den Tod.
Denn es war nicht sicher, dass du lebst.
Sicher ist, dass Du sterben musst.
Horst Eckert alias Janosch (*1931)

Ich möchte leben
Ich möchte leben
Ich möchte lachen und Lasten heben
Und möchte kämpfen und lieben und hassen
Und möchte den Himmel mit Händen fassen
Und möchte frei sein und atmen und schrein.
Ich will nicht sterben. Nein.
Nein...
Selma Meerbaum-Eisinger (1924-1942), eine deutsche Jüdin aus Cernowitz in der Bukowina, starb 1942 im Alter von nur 18 Jahren an Fleckfieber und Entkräftung im Arbeitslager Michailowka in der Ukraine. Ihr Werk umfasst 58 mit Füller geschriebene Gedichte, die sie ihrem Freund Leiser Fichman widmete. Während sie deportiert wurde, konnte sie das Büchlein einem Bekannten zustecken, der es zunächst an ihre Freundin Else gab, die es an Leiser weitergab. Als dieser sich zur Flucht nach Palästina entschloss, gab er das Büchlein an Else zurück. Leisers Schiff wurde torpediert, nur fünf Passagiere überlebten - er nicht. Aber Else brachte den kleinen Gedichtband nach Israel, wo Selmas Lehrer von der Jüdischen Schule in Cernowitz sie 1976 erstma

O du fröhliche, o du selige
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Welt ging verloren, Christ ist geboren,
Freue, freue dich, o Christenheit!

Ehrgeiz
Ich habe meinen Soldaten aus Blei
Als Kind Verdienstkreuzchen eingeritzt.
Mir selber ging alle Ehre vorbei,
Bis auf zwei Orden, die jeder besitzt.
Und ich pfeife durchaus nicht auf Ehre.
Im Gegenteil. Mein Ideal wäre,
Dass nach meinem Tod (grano salis)
Ein Gässchen nach mir benennt, ein ganz schmales,
Und krummes Gäßchen, mit niedrigen Türchen,
Mit steilen Treppchen und feilen Hürchen,
Mit Schatten und schiefen Fensterluken.
Dort würde ich spuken.

Wie soll man dem Tod begegnen
wenn er vor der Türe steht?
Soll man hoffen, soll man beten,
flehen, dass er weitergeht?
Ja! Er soll nur weitergehen -
denkt man und vergisst dabei
dass nur der Tod kann es verstehen,
wenn einer sagt: Ich bin soweit.
Ist es auch schwer, ihn geh´n zu lassen,
den Menschen, der so nah uns stand,
wollen wir uns doch in Schweigen fassen:
Gott nahm ihn still an seine Hand.
Gedicht an die in Afghanistan gefallenen Soldaten
von Annika G., Tochter eines Soldaten
(von der Internetseite der kath. Militärseelsorge)

Ich sah die unzähligen aufeinandergeschichteten Steintafeln und die uralten Holunder,
welche ihre knorrigen Äste drumschlingen und drüberbreiten.
Ich wandelte in den engen Gängen und sah die Krüge von Levi,
die Hände Aarons und die Tauben Israels.
Zum Zeichen meiner Achtung legte ich, wie die anderen, ein Steinchen auf das Grab
des Hohen Rabbi Löw bar Bezalel.
Dann saß ich nieder auf einem Steine aus dem vierzehnten Jahrhundert,
und der Schauer des Ortes kam in vollstem Maße über mich.
Seit tausend Jahren hatten sie hier die Toten des Volkes Gottes zusammengedrängt,
wie sie die Lebenden eingeschlossen hatten in die Mauern des Ghetto.
Die Sonne schien wohl, und es war Frühling,
und von Zeit zu Zeit bewegte ein frischer Windhauch
die Holunderzweige und -blüten,
dass sie leise über den Gräbern rauschten und die Luft mit süßem Duft füllten;
aber das Atmen wurde mir doch immer schwerer
und sie nennen diesen Ort Beth-Chaim,
das Haus des Lebens?!
Wilhelm Raab

Die Rosen treffen dich schon bleich,
Im Kreise deiner Schwestern,.
Der weißen bist du heute gleich,
Der roten glichst du gestern.
Und doch kommen sie zur rechten Frist,
Um diesen Sarg zu decken
Und, wes du warst und was du bist,
noch einmal zu erwecken.
Chritian Friedrich Hebbel (1813-1863)

Weil wir nicht wissen, wann der Tod an uns heran tritt, weil "mitten wir im Leben sind vom Tod umfangen", hat man uns im Talmud gelehrt, so zu leben, dass wir jeden Augenblick mit gutem Gewissen für uns und ohne Schaden für andere sterben können. Wie ein Kaufmann, dessen Bücher immer in klarer Ordnung, dessen Gläubiger bezahlt, dessen Schuldner wohl bedient sind.
Alois Payer, "Judentum als Lebensform - Die jüdische Kunst des Sterbens" , 1999

Vielleicht aber braucht Gott die Sehnsucht, wo sollte sonst sie auch bleiben,
Sie, die mit Küssen und Tränen und Seufzern füllt die geheimnisvollen Räume der Luft -
Vielleicht ist sie das unsichtbare Erdreich, daraus die glühenden Wurzeln der Sterne treiben -
Und die Strahlenstimme über die Felder der Trennung, die zum Wiedersehen ruft?
O mein Geliebter, vielleicht hat unsere Liebe in den Himmel der Sehnsucht schon Welten geboren -
Wie unser Atemzug, ein- und aus, baut eine Wiege für Leben und Tod?
Sandkörner wir beide, dunkel vor Abschied, und in das goldene Geheimnis der Geburten verloren,
Und vielleicht schon von kommenden Sternen, Monden und Sonnen umlohnt.
Nelly Sachs (1891-1970), aus dem Zyklus "Gebete für den toten Bräutigam". Nelly Sachs erhielt im Mai 1944 den Gestellungsbefehl in ein Arbeitslager. Am selben Tag erfuhr sie, dass ihre Einreise nach Schweden - aufgrund einer Empfehlung der schwedischen Dichterin _Selma Lagerlöff - genehmigt worden war, sie

O schöner Ort, den Toten auserkoren
Zur Ruhestätte für die müden Glieder!
Hier singt der Frühling Auferstehungslieder,
Vom treuen Sonnenblick zurückbeschworen.
Wenn alle schmerzen auch ein Herz durchbohren,
Dem man sein Liebstes senkt zur Grube nieder,
Doch glaubt es leichter hier: wir sehn uns wieder,
Es sind die Toten uns nicht ganz verloren.
der fremde Wandrer, kommend aus der Ferne,
Dem hier kein Glück vermodert, weilt doch gerne
Hier, wo die Schönheit Hüterin der Toten.
Sie schlafen tief und sanft in ihren Armen,
Worin zu neuem Leben sie erwarmen;
Die Blumen winkens, ihre stillen Boten.
Nikolaus Lenau (1802-1850): Salzburger Kirchhof (Petersfriedhof)

Da der Tod der wahre Endzweck des Lebens ist, so habe ich mich mit diesem wahren, besten Freund des Menschen so bekannt gemacht, dass sein Bild allein nichts Schreckliches mehr für mich hat.
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

Der Feind
Einen kenn ich,
wir lieben ihn nicht;
Einen nenn´ich,
Der die Schwerter zerbricht.
Weh! Sein Haupt steht in der Mitternacht,
Sein Fuß in dem Staub;
Vor ihm weht das Laub
Zur dunklen Erde hernieder.
Ohne Erbarmen
In den Armen
Trägt er die kindisch taumelnde Welt;
Tod, so heißt er,
Und die Geister
Beben vor ihm, dem schrecklichen Held.

Auf den Tod eines Kindes
Du kamst, Du gingst mit leiser Spur,
ein flücht´ger Gast im Erdenland.
Woher? Wohin? Wir wissen nur:
aus Gottes Hand in Gottes Hand
Ludwig Uhland (1787-1862) verlor zwei Brüder im Kindesalter, Bruder Friedrich starb im Alter von 10 Jahren an Scharlach.

Der Tod ist nichts...
Der Tod ist nichts,
Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen,
Ich bin ich, Iir seid ihr.
Das, was ich für euch war, bin ich immer noch.
Gebt mir den Namen, den Ihr mir immer gegeben habt.
Sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt.
Gebraucht keine andere Redeweise,
Seid nicht feierlich oder traurig,
Lacht weiterhin über das,
Worüber wir gemeinsam gelacht haben.
Betet, lacht, denkt an mich,
Betet für mich, damit mein Name ausgesprochen wird,
So wie es immer war,
Ohne irgendeine besondere Betonung,
Ohne die Spur eines Schattens.
Das Leben bedeutet das, was es immer war,
Der Faden ist nicht durchschnitten.
Weshalb soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein,
nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin?
Ich bin nicht weit weg,
nur auf der anderen Seite des Weges.

Auf den Grabstein meines Bräutigams
In meinem Herzen steht dein Bild,
Dein Name klingt durch meine Lieder
Trotz Tod und Trennung nah ich mild
Zu deinem Grab mich liebend wieder:
Denn zweier Seelen milde Harmonie
Trennt selbst des Todes schriller Misston nie.

Ich möchte hingehen wie das Abendrot
Und wie der Tag in seinen letzten Gluten -
O leichter, sanfter, ungefühlter Tod! -
Mich in den Schoß des Ewigen verbluten.
Ich möchte hingehen wie der heitere Stern,
Im vollstem Glanz, in ungeschwächtem Blinken;
So stille und so schmerzlos möchte gern
Ich in des Himmels blaue Tiefen sinken.
Ich möchte hingehen wie der Blume Duft,
Der freudig sich dem schönen Kelch entringet
Und auf dem Fittich blütenschwangrer Luft
Als Weihrauch auf des Herren Altar schwinget.
Ich möchte hingehen wie der Tau im Tal,
Wenn durstig ihm des Morgens Feuer winken;
O wollte Gott, wie ihn der Sonnenstrahl,
Auch meine lebensmüde Seele trinken!
Ich möchte hingehen wie der bange Ton,
Der aus den Saiten einer Harfe dringet,
Und kaum dem irdischen Metall entflohn,
Ein Wohllaut in des Schöpfers Brust erklinget.
Du wirst nicht hingehen wie das Abendrot,
Du wirst nicht stille wie der Stern versinken,
Du stirbst nicht einer Blume leichten Tod,
Kein M

Welkes Blatt
Jede Blüte will zur Frucht
Jeder Morgen Abend werden
ewiges ist nicht auf Erden
als der Wandel, als die Flucht.
Auch der schönste Sommer will
einmal Herbst und Welke spüren
halte, Blatt, geduldig still
wenn der Wind dich will entführen.
Spiel dein Spiel und wehr dich nicht
laß es still geschehen
laß vom Winde, der dich bricht
dich nach Hause wehen.

Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen
Lachenden Mundes. Wenn wir uns mitten
Im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns.
Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Wunsch eines 16jährigen
Der Kampfruf erscholl, der Sturm brach los,
wer legte noch müßig die Hände in den Schoß?
Der Kaiser rief, und alle, alle kamen.
Es eilte das deutsche Volk zu seinen Fahnen.
(...)
Die mutige Schar, die da verließ den schützenden Herd,
Sie ist wohl des Namens "deutsche" wert.
Schämen sollen sich alle, die da bleiben zu Haus,
drum Vater laß auch mich mit hinaus.
(...)

Vergänglichkeit der Schönheit
Es wird der bleiche Tod mit seiner kalten Hand
Dir endlich mit der Zeit um deine Brüste streichen,
der liebliche corall der Lippen wird verbleichen
der Schultern warmer Schnee wird werden kalter Sand.
Der Augen süsser Blitz, die Kräffte deiner Hand,
Für welchen solches fällt, die werden zeitlich weichen,
das Haar, das itzund kann des Goldes Glantz erreichen,
Tilget endlich Tag und Jahr als ein gemeines Band.
Der wohlgesetzte Fuß, die lieblichen Gebärden,
die werden theils zu Staub, theils nichts und nichtig werden,
denn opfert keiner mehr der Gottheit deiner Pracht.
Dies und noch mehr als dies muss endlich untergehen,
dein Hertze kann allein zu aller Zeit bestehen,
dieweil es die Natur aus Diamant gemacht.
Christian Hoffmann zu Hoffmannswaldau (1616-1679), 1695 in Leipzig veröffentlicht
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